1926 waren 23
Flugetappen in 54 Tagen notwendig, um die viertgrößte Insel unserer Erde
zu erreichen !
Madagaskar ist wie ein ferner Kosmos, fremd und einzigartig, eine eigene Welt 500km vor der Ostküste Afrikas. Mit lediglich 40 000 Touristen pro Jahr bietet die Insel dem Individual- und Abenteuerreisenden verschiedene Regionen, welchen einzeln oder in Kombination genossen werden können. Fliegt man ins Landesinnere der „Grand Ile“, so eröffnet sich beim Landeanflug ein atemberaubendes Relief an Landschaft mit Terrassenkulturen, Gebirgsketten mit Vulkanseen und vereinzelten Eukalyptuswäldchen mit versprengten Gehöften. Von ockergelb bis rostrot reicht die Farbpalette der mit Stroh gedeckten zweistöckigen Lehmziegelhäuschen. Antananarivo, kurz Tana genannt, die Hauptstadt Madagaskars, ist mit zwei Millionen Menschen das Zentrum von Kultur, Industrie, Handel und Politik. Sie ist die einzige Stadt des Landes, in der es Hochhäuser, Straßenverkehr und Supermärkte gibt. Die Avenue de Independance, gesäumt von Bauten im französischen Kolonialstil mit weißgetünchten Arkaden und Hotels mit internationalem Standard ist der Mittelpunkt des Straßengeschehens. Jeden Freitag ist Zoma, der größte Open-air-Markt des Landes. Unter einem Meer von weißen Schirmen quellen Obst- und Gemüseberge, exotische Gewürze, getrocknete Heilpflanzen, Edelsteine und Souvenirs aus Holz, Horn und Leder hervor. Dinge des täglichen Lebens werden auf zig Marktständen aufgetürmt. In kleinen Garküchen gibt es gebratenen Fisch, frisches Backwerk, Reisgerichte, Getränke und vieles mehr. Bei Einbruch der Dunkelheit wird alles auf Rikschas verladen und abtransportiert. Diese Wägelchen, auch „Pousse-Pousse“ genannt, wurden von den Chinesen ins Land gebracht, die zu Beginn unseres Jahrhunderts unter höchsten Schwierigkeiten Eisenbahntrassen in Madagaskar errichteten. Der etwas geänderte Slogan „Eisenbahn zum Ozean, staunend eine fremde Welt erfahren“ trifft hundertprozentig auf die 163km zwischen Fianarantsoa und Manakara zu. Eine alte Diesellok zieht den „Dschungelexpress“ über 76 Brücken, 56 Tunnels, und über 900 Meter Höhenunterschied durch den mit Bergketten durchzogenen Regenwald. Befestigungsmaterial und Gleisteile werden ständig mitgeführt, denn der desolate Zustand des von den Chinesen erbauten Schienennetzes bedarf so mancher Reparatur. Keine Angst vor der langen Zugfahrt! Verpflegung gibt es auf jedem Bahnhof. Was darf es sein ? Geräucherter Aal, Flußkrevetten in Backteig oder gekochte Krebse mit Maisfladen. In der Region der „unberührten Inseln“ rund um die Hauptinsel Nosy Be finden Taucher und Segler eine intakte Unterwasserwelt mit Bilderbuchstränden. An vielen Riffen wurde noch nie getaucht, manche sind nicht einmal auf Karten eingezeichnet. Verschiedene Delphinarten, Walhaie, Pot- und Grindwale, und eine Vielzahl von Fischen und Meeresschlidkröten leben hier. Wer nach versunkenen Schätzen und unbetauchten Riffen sucht, segelt am besten die Westküste entlang oder wagt sich in die Straße von Mosambique. Unter dem Kreuz des Südens trifft man madagassische Segelfrachter, die die zahlreichen Dörfer der Region mit Dingen des täglichen Lebens versorgen. Zugleich holen sie die lokalen Produkte und bringen sie per Seeweg auf den Markt. Auch für die Menschen ist es die einzige Art ihre Dörfer zu verlassen, denn das bitterarme Madagaskar hat kein Geld für Straßen in wenig besiedelten Gebieten. Noch viele Trümpfe hält die „Arche Noah der Alten Welt“ bereit. Süßwasserläufe wie im Amazonas, Primärwälder an der Ostküste, die Pirateninsel Saint Marie und den heißen Süden, das Land der Dornen und Kakteenwälder. Einen extra Fototermin verlangt die inzwischen zum Wahrzeichen Madagaskars gewordene Baobab-Allee auf der Piste von Morondava nach Belo Tsiribihina. Wie Spielzeuge erscheinen Autos zwischen den gigantischen Stämmen der Affenbrotbäume. Die wasserspeichernden Durstkünstler können Trockenperioden bis zu drei Jahren überstehen und übertausend Jahre alt werden. Von der „Mutter des Waldes“, den gigantischen „Flaschenbäumen“ umgeben, erahnt der Mitteleuropäer den Wahrheitsgehalt der madagassischen Glaubenswelt. Der Mensch ist nur ein Fremder, ein Reisender durch die Schöpfung.
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Sonnenuntergang am |