Madagaskar
Arche Noah der alten Welt

Text: Andrea Sikorski

Seit drei Jahrhunderten ist die exotische Insel im Indischen Ozean Ziel wissenschaftlicher Neugierde und interessanter Forschungsobjekte. Bereits Sonnenkönig Ludwig XIV und Fürsten des deutschsprachigen Raum ließen sich die seltsame Welt durch Reiseeindrücke näher bringen. In den sechziger Jahren dieses Jahrhunderts setzte neuerlich ein Boom an Forschungsreisen ein, als die These der driftenden Kontinente wissenschaftlich bestätigt wurde, und man Madagaskar als Überbleibsel des Urkontinents Gondwana entdeckte.

Die große  Insel rechts neben Afrika wird folglich zu einem naturhistorischen Juwel der Erdgeschichte. 165 Millionen Jahre Evolution der besonderen Art lassen sich hier studieren. Isoliert von der Außenwelt, umspült vom Indik entwickelte sich auf Madagaskar eine völlig eigenständige Artenvielfalt, von denen die meisten endemisch, also nur auf Madagaskar vertreten sind.  Unzählige Vogel-,  Reptilien-, Falter- und  Lemurenarten  kommen nur hier vor.

Die Waldgeister Madagaskars

Wenn die Nacht über dem südmadagassischen Naturpark Berenty sinkt, erwachen die „Waldgeister“ und veranstalten ein unheimliches Konzert mit ihren markerschütternden Schreien und bellenden Lauten. Sie nähern sich den menschlichen Schlafstätten und starren mit rotglühenden Augen zum Fenster rein.

Kein Wunder, daß die Wissenschaftler sie Lemuren „Gespenster der Toten“ genannt haben. Ihnen steht jedoch keineswegs der Sinn nach der Verfolgung armer Seelen, sondern vielmehr nach den Obstvorräten der Besucher des Naturparks. Wer sich beim Rundgang durch den Galeriewald nicht wappnet, verliert seine Früchte im Handumdrehen. Die Mutigsten unter den fuchsgesichtigen Plagegeistern entreißen in blitzschnellen Überfällen den verwirrten Touristen die Leckerbissen.

Bei Sonnenaufgang ist Schichtwechsel. Während sich die nachtaktiven Lemurenarten in ihren Höhlen einrollen, verlassen die Sifakas, jene kleinen, weißen Sprungteufeln, die in aufrechter Haltung und mit hochgestreckten Armen über den roten Sand tänzeln, ihre Schlafbäume, um sich ihrer Lieblingsbeschäftigung, dem frühmorgendlichen Sonnenbaden, hinzugeben.

Berenty, ein auf 1000 Hektar professionell geführtes Naturreservat, ist empfehlenswerter Fixpunkt einer Reiseroute durch die „Grande Ile“, wie Madagaskar genannt wird. Kaum sonstwo stößt man in so kurzer Zeit auf einen derartigen Artenreichtum.

In der Vorstellungskraft der Madagassen spielen  Tiere eher eine okkulte als reale Rolle. Chamäleons gelten als Unglücksbringer. „Verhext seien sie“, heißt es, weil sie gleichzeitig mit einem Auge in die Zukunft und mit dem anderen in die Vergangenheit blicken können.

Ein viel besseres Image haben die Indris, die größten heute noch lebenden Lemuren. Mit der Größe eines Gibbons, dem Gesicht eines Hundes und dem schwarz-weißen Fell eines Panda ähneln sie einem zu groß geratenen Teddybären. Diese sympathischen Kuscheltiere zu töten ist verpönt, stammen die Indris doch der Sage nach von den gleichen Vorfahren ab wie der Mensch. Während der spätere Mensch eines Tages den Wald zu roden begann um Reis zu pflanzen und sich um seine Verteilung zu streiten, blieben die Indris im Dschungel zurück und lebten weiterhin einträchtlich und zufrieden von den Blättern. 

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Nicht nur für Romantiker:

Abendstimmung in der Baobaballe.

 

 



Sifaka


 

 


Magisches Chamäleon:

Sieht Zukunft und Vergangenheit gleichzeitig

 

 




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