Motorrad- Abenteuer in Madagaskar
Affentanz
im Dornenland Text
: Andrea Sikorski Foto
: Hans Rameder
Auf zwei nahezu schrottreifen Yamahas XT 600 erkunden die Wiener Hobbyfotographen Hans Rameder und Wolfgang Kalal die riesige Insel vor der Südostküste Afrikas, von der die meisten nicht viel mehr wissen, als daß dort der „Pfeffer wächst“, und daß Anfangs dieses Jahrhunderts auf einem russischen Kriegsschiff die Pest ausbrach. Gleich
am ersten
Tag besichtigen wir unsere Motorräder, die wir von Wien aus in
Madgaskars Hauptstadt Antananarivo reserviert haben. Den Plan unsere
eigenen Motorräder per Flugzeug mitzubringen gaben wir bald auf, da
Berichten zufolge die Zollformalitäten unbewältigbar sind. Unsere
Motorräder sind in einem fürchterlichen Zustand. Es gibt kein Rad an
beiden Maschinen, das nur halbwegs rund wäre. Jede Felge weist eine Menge
Schäden auf. Auf meinem Bike funktioniert die Vorderradbremse halbwegs,
die Hinterradbremse fast gar nicht. Geradeausfahren heißt ständig nach
rechts lenken, denn die Maschine versucht ständig nach links
auszubrechen. Auch die Linkskurve
ist nur durch kräftiges Gegenlenken zu bewältigen, woraus sich der
Fahrstil eines Speedwayfahrers ergibt. DER ROTE KONTINENT - SCHMELZTIEGEL DER KULTUREN Barfuss,
zerlumpt und mit Lasten, die sie zu erdrücken scheinen, drängen sich die
Menschen durch die verstopften Straßen. Heute ist Zoma, der berühmte
Freitagsmarkt. Hier wird alles angeboten, was in Madagaskar wächst und
produziert wird. Wolfgangs Größe von zwei Metern bleibt nicht
unbestaunt. Wie eine Giraffe überblickt er das Meer von weißen Schirmen,
das die gesamte Avenue d` Independance füllt. Die zierlichen Madagassen,
deren Vorfahren südostasiatische Einwanderer waren, schauen uns lachend
nach, während wir nicht wissen, was wir zuerst fotographieren sollen. Die
hübschen Bauten im französischen Kolonialstil, die Früchte- und Gemüseberge,
die bunten Rikschas, die kleinen Garküchen am Straßenrand oder die fröhlichen
Menschen, die bereitwillig Modell stehen. Bei Einbruch der Dunkelheit
retten wir uns vor bettelnden Jugendlichen ins nächste Lokal. Von dort
aus beobachten wir Kinder in einem Müllkontainer, die ein Feuer in Gang
halten. Sie haben Fetzen am Leib, sammeln Essensreste, und suchen Schutz
vor der Nachtkälte in Plastiksäcken.
|
||
|
20 Liter Benzin in
Plastikkanistern, und
Felge im Orginalzustand
|